Mate, das unumgängliche Getränk Südamerikas, kennt so viele Traditionen, wie es Länder gibt.
Wie unterscheidet sich der brasilianische Chimarrão, mit seinem feinen Pulver und seinem leuchtenden Grün, vom argentinischen Mate, ausgewogen zwischen Pulver und Stängeln? Warum bevorzugt Uruguay einen kräftigen, intensiven Mate, während Paraguay auf die Frische des eisgekühlten Tereré setzt?
Entdecke in diesem Artikel die Besonderheiten jedes Schnitts und was sie über die Kulturen verraten, die sie umgeben.
Der Chimarrão: eine brasilianische Tradition
Im Süden Brasiliens ist Mate — oder vielmehr der Chimarrão — weit mehr als ein bloßes Getränk. Es ist eine tief verwurzelte Tradition im Süden des Landes, in Rio Grande do Sul.
Einen Chimarrão mit Freunden oder in der Familie zu teilen, ist weit mehr als eine Geste: Es ist ein Zeichen von Gastfreundschaft und Geselligkeit, ein echtes Abbild der brasilianischen Herzlichkeit.
Der Chimarrão zeichnet sich durch seine leuchtend grüne Farbe und seine extrem feine Mahlung aus, weit feiner als beim traditionellen Mate, was ihm eine pulvrige Textur verleiht. Diese Besonderheit erlaubt einen schnellen Aufguss und eine vollständige Extraktion der Aromen.
Die Cuia und die kunstvolle Zubereitung des Chimarrão
Eine der Besonderheiten des Chimarrão liegt in der Art, wie er zubereitet wird:
- Eine kleine Menge Wasser mit dem Yerba-Mate-Pulver vermengen, um eine Basis zu bilden.
- Nach und nach Yerba Mate hinzufügen, bis die Kalebasse fast bis zum Rand gefüllt ist.
- Einen Freiraum lassen oder mit einem Stab eine Öffnung schaffen.
- Diese Vertiefung nutzen, um das Wasser einzugießen — das begünstigt einen perfekten Aufguss.
Dafür verwenden die Brasilianer eine ganz bestimmte Kalebasse, die Cuia genannt wird. Anders als andere Mate-Kalebassen ist sie oft groß, ausladend und mit feinen Details wie Gravuren oder gearbeiteten Metallsockeln verziert. Die Cuia ist dafür gemacht, eine große Menge Mate aufzunehmen, für einen großzügigen, harmonischen Aufguss.
Was den Chimarrão außerdem auszeichnet, ist die Kunst, die seine Zubereitung begleitet. Die Brasilianer glätten die Oberfläche des Mate sorgfältig und zeichnen gern dekorative Muster hinein. Dieses künstlerische Detail ist eine Art, Respekt und Aufmerksamkeit für diese Tradition zu zeigen, und macht jede Cuia zu einem kleinen Kunstwerk.

Chimarrão-Kunst
Der argentinische Mate: ein emblematisches und kulturelles Getränk
In Argentinien ist Mate eine echte Institution, eine Säule des Alltags.
Mehr als ein Getränk ist er ein soziales Ritual und tief im Leben der Argentinier verankert. Überall — zu Hause, bei der Arbeit, im Park oder auf Reisen — begleitet der Mate Gespräche, Momente der Entspannung und manchmal auch Momente für sich allein.
Einen Mate zu trinken ist ein bisschen so, wie einen Moment bei einem Kaffee zu teilen, wie man es in Europa kennt.
Der argentinische Blend: Gleichgewicht zwischen Pulver und Stängeln
Der argentinische Mate ist leicht an seinem eher intensiven Blend zu erkennen, der mittelgroß geschnittene Blätter, einen guten Anteil Stängel (die „palos") und eine kleine Menge Pulver enthält.
Dieses Gleichgewicht gibt dem Aufguss einen eher intensiven Geschmack, ohne zu sehr ins Bittere zu gehen. Die Qualität der Blätter bleibt ein entscheidendes Geschmackskriterium — jede Marke hat ihren eigenen Charakter!
Dieser Blend ist auf einen langen Aufguss ausgelegt: Die Stängel verlangsamen die Extraktion der Aromen und verhindern, dass der Aufguss zu schnell bitter wird. Deshalb lässt sich die Kalebasse mehrmals mit heißem Wasser füllen, ohne dass der Geschmack leidet.

Argentinischer Mate
Die argentinische Kalebasse: schlicht und vielseitig
Anders als die brasilianische Cuia unterscheidet sich die argentinische Kalebasse in Form und Größe. Es gibt sehr klassische Kalebassen aus getrocknetem Kürbis, rund und fein, oft schlicht oder leicht verziert, aber auch Modelle aus Holz, Keramik oder sogar Edelstahl für die modernen Varianten.
Die Größe ist in der Regel kleiner als beim brasilianischen Chimarrão, denn der argentinische Mate wird aufgegossen und schneller getrunken, mit mehreren aufeinanderfolgenden Füllungen (den „cebaditas").
Die Argentinier hängen sehr an ihrer Kalebasse, die oft zu einem persönlichen Gegenstand wird und bei besonders kunstvollen Modellen manchmal über Generationen weitergegeben wird.
Der uruguayische Mate: eine nationale Identität
In Uruguay ist Mate weit mehr als ein Getränk: Er ist ein wesentlicher Teil der nationalen Identität.
Man trinkt ihn zu jeder Stunde und überall. Wer durch die Straßen von Montevideo geht, sieht fast jeden Uruguayer mit seiner Thermoskanne unter dem Arm und seiner Kalebasse in der Hand. Hier ist Mate nicht nur eine Tradition, sondern eine Lebensweise.
Der uruguayische Blend: intensiv und pulvrig
Der uruguayische Mate zeichnet sich durch seinen Blend aus, einen der intensivsten und pulverreichsten unter allen Mate-Stilen. Dieser Blend aus feinen Blättern und Mate-Pulver ergibt einen sehr kräftigen Aufguss mit ausgeprägter Bitterkeit, den die Uruguayer lieben.
Für Nicht-Eingeweihte kann dieser kraftvolle Geschmack überraschen, doch Liebhaber schätzen ihn für seinen einzigartigen Charakter und seine Fähigkeit, auch nach zahlreichen Aufgüssen einen gleichbleibenden Geschmack zu halten.
Die Zubereitung ist ebenfalls deutlich sorgfältiger: Die Kunst der Montañita ist entscheidend, um kein Pulver einzusaugen. Hier findest du unseren Zubereitungs-Guide.

Mate Uruguay
Eine kompakte und praktische Kalebasse
Die Uruguayer verwenden natürliche und traditionelle Kalebassen; das Können in der Kalebassen-Fertigung ist dort eine echte Institution.
Aus getrockneten Kürbissen gefertigt, sind diese Kalebassen oft mit Leder bezogen und mit Alpaca gefasst. Die Kunst der Fertigung außergewöhnlicher Kalebassen bringt Anhänger oft dazu, gleich mehrere zu sammeln!

Mate-Kalebasse aus Uruguay
Der paraguayische Tereré: Frische im Herzen der Tradition
In Paraguay nimmt Mate eine einzigartige, erfrischende Form an, den Tereré.
Anders als in den übrigen Ländern Südamerikas, wo Mate meist heiß getrunken wird, trinkt man den Mate hier kalt — ein perfektes Getränk für die heißen Tage des paraguayischen Klimas. Diese Mate-Variante ist nicht nur eine praktische Alternative, sondern eine echte kulturelle Tradition, tief im Alltag der Paraguayer verwurzelt.
Der paraguayische Blend: vielfältige Aromen
Der Mate für den Tereré ist oft gröber als die argentinischen und uruguayischen Blends. Er enthält mehr ganze Blätter und Stängel, was einen weniger intensiven, leichteren Aufguss ergibt. Was den Tereré aber wirklich auszeichnet, ist die Zugabe von Kräutern oder Heilpflanzen, „remedios" oder „yuyos" genannt.
Diese Kräuter — etwa Minze, Zitronengras oder auch Orangenschale — werden dem kalten Wasser oder direkt dem Mate zugefügt, um vielfältige Aromen und zusätzliche Vorzüge beizusteuern. Diese Personalisierung erlaubt es jeder Familie und jeder Region, ihre eigene Tereré-Version zu schaffen.

Die Guampa oder der Edelstahl: schlichte, angepasste Stile
Für den Tereré verwenden die Paraguayer meist Kalebassen aus Edelstahl oder Guampas, oft kleiner als die für den heißen Mate. Diese Gefäße, manchmal aus Edelstahl oder aus Horn, halten die Frische des Getränks länger.
Anders als bei anderen Mate-Traditionen herrscht hier die Schlichtheit: Es geht darum, ein erfrischendes Getränk zu genießen, einfach zuzubereiten und zu transportieren, ideal für das lokale Klima.

